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Eine Investition

Der richtige Teppich für einen Raum ist eine Investition wert.

Viele Menschen sehen den Kauf eines handgeknüpften Teppichs natürlich als eine Investition. Dies ist auch insofern richtig, als ein handgeknüpfter Teppich mit den Jahren häufig noch wertvoller wird. Ein Teppich ist jedoch in erster Hand ein Gebrauchsgegenstand. Er soll die eigene Wohnung viele Jahre lang verschönen.
 
Ein solcher Teppich, der gut gepflegt wird und über ansprechende Motive und Farben verfügt. kann sicherlich im Wert steigen und im Wiederverkauf mehr einbringen, als er gekostet hat. Er ist dann vermutlich mehr wert als ein neuer Teppich, der vielleicht nicht solche Farben und nicht einen solchen Glanz hat.
 
Die Entwicklung in Teppich produzierenden Ländern
Die Produktion von handgeknüpften Teppichen verändert sich die ganze Zeit.

IRAN 
90% aller persischen Teppiche wurden und werden von Frauen zu Hause geknüpft, um die Haushaltskasse aufzubessern. Bei Nomaden und im Dorf besorgt die Frau den Haushalt, kümmert sich um die Kinder und knüpft Teppiche, die dann auf dem Markt verkauft werden. Die Männer hüten das Vieh und besorgen die Landwirtschaft.
 
Diese Ordnung verändert sich allmählich. Dorfbewohner ziehen in die Städte, um dort Arbeit zu suchen, und die Städte wachsen ins Land hinaus. Auf landwirtschaftlichem Boden werden Fabriken errichtet, und auch die Landwirtschaft industrialisiert sich.
 
Die Kultur der Nomaden verschwindet allmählich, wenn diese sesshaft werden. Dazu tragen auch gute Weidegründe bei, die einen Wechsel des Standorts überflüssig machen. So werden sie zu einer Art von sesshaften Nomaden oder Halbnomaden. Heute benutzen die Nomaden Jeeps und Motorräder als Transportmittel, früher waren es Esel und Kamele.
 
Bereits heute sind Nomadenteppiche eine Mangelware, die immer seltener wird. Unsere Einkäufer konnten früher pro Einkaufsbesuch mühelos Hunderte von Nomadenteppichen zusammenbringen. Heute muss man sich anstrengen, einen einzigen Nomadenteppich zu finden!
 
Der Unterschied zwischen Angebot und Nachfrage hat in letzter Zeit zu Preissteigerungen von bis zu 500% bei persischen Teppichen geführt.
 
Dies gilt auch für persische Atelierteppiche.
 
Persische Teppiche sind trotzdem noch relativ billig, und zwar aus zwei Gründen: 
1. Sie werden von Frauen zu Hause als Hobbyarbeit gefertigt, d.h. die Arbeitszeit schlägt sich nicht im Preis nieder (so wie dies z.B. früher auch bei der skandinavischen Landbevölkerung der Fall war). 
 
2. Dazu kommt der gesunkene Wert der iranischen Währung (Rial), der den Preisanstieg bei westlichen Währungen weniger merkbar macht.
 
Vor allem in China verringert sich die Produktion von handgeknüpften Teppichen ständig.

CHINA 
Bis vor ca. 18 Jahren wurde die chinesische Teppichfertigung vom Staat subventioniert. Damit sollte der Export chinesischer handgeknüpfter Teppiche angekurbelt werden, um Arbeitsplätze im Land zu schaffen. Allmählich ging man jedoch zu mehr lohnenden Produkten über, während gleichzeitig ausländisches Kapital im Lande investieren konnte.
 
Dies trug dazu bei, dass viele Teppichknüpfer stattdessen Arbeit in Fabriken annahmen. Viele wollten auch einfach den rückständigen Zuständen auf dem Lande entkommen.
 
Der Lebensstandard hat sich in China in den letzten Jahren erheblich verbessert, und auch die Arbeitskraft ist heute mindestens fünfmal so teuer wie früher. Die Teppichproduktion wird nicht mehr subventioniert, und die Nachfrage der chinesischen Textilindustrie nach Rohstoffen wie Seide, Wolle und Baumwolle hat zur Verteuerung beigetragen. Die alten Menschen, die im Dorf blieben und weiter Teppiche knüpften, sterben weg.
 
Heutzutage sind chinesische Teppiche im Einkauf fünfmal so teuer wie vor 20 Jahren.
 
Die Teppichherstellung in der Türkei heutzutage nicht mehr so verbreitet wie früher.

TÜRKEI 
Noch vor 20-30 Jahren war die Türkei ein weltweit führender Teppichproduzent. Die gesellschaftliche und industrielle Entwicklung des Landes führte dazu, dass heute keine größere Teppichproduktion mehr existiert. Echte türkische Teppiche sind ausgesprochen teuer, und für die Binnennachfrage importiert man Teppiche u.a. aus dem Iran und aus Indien. Solche Teppiche werden auch den Touristen verkauft, die im Glauben sind, dass es sich um echte türkische Teppiche handelt.
 
ANDERE LÄNDER 
In anderen Teppich produzierenden Ländern wie Indien, Pakistan, Nepal und Afghanistan ist die Entwicklung ähnlich. Das bedeutet, dass in zehn Jahren die Kunst des Teppichknüpfens vermutlich marginalisiert sein wird und in einigen Gegenden sogar ausstirbt.